Donnerstag, 21. März 2019

Am 3. Dezember 2011 wurde in Caracas die Gemeinschaft der lateinamerikanischen und karibischen Staaten (spanisch: CELAC) gegründet. Hauptmotor dieser neuen Staatengemeinschaft ist der venezolanische Präsident Hugo Chavez. Er will die schon seit langem bestehende Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) mit Sitz in Washington möglichst unterhöhlen.

Foto: Gobierno de Guatemala / flickr

Die lateinamerikanischen Staaten forderten auf der CELAC-Gründungs-

konferenz in Venezuela eine Aufhebung der US-Blockade gegen Kuba.
In der OAS sind die USA nicht nur Mitglied, sondern zugleich auch der größte Geldgeber. Kuba hingegen ist suspendiert, was dem betont anti-US gerichteten Chavez ein Dorn im Auge ist. Wenn man so will, kann man die Gründung der CELAC mit dem abgewandelten Motto des US-Präsidenten James Monroe zusammenfassen: „Lateinamerika den Lateinamerikanern!“. Im Gegensatz zur OAS ist auch Kuba konsequenterweise Mitglied der CELAC, wodurch Chavez die Regierung der Castro-Brüder unterstützen will.

Tatsächlich bestehen in Lateinamerika große Vorbehalte gegen den „großen Bruder“ im Norden und es besteht aus Sicht der CELAC-Länder sicherlich ein Bedarf, regionale Angelegenheiten auch in einem regionalen Forum zu behandeln. Allerdings gibt es bereits einige regionale Instrumente, die der Vertiefung der Integration in Lateinamerika dienen sollen: die erst vor wenigen Jahren gegründete UNASUR, der Mercosur, die Andengemeinschaft und die schon seit längerem vor sich hindümpelnde Rio-Gruppe. Alle diese Instrumente haben letztlich das Ziel, die USA möglichst außen vor zu halten – haben sich in den vergangenen Jahren jedoch wenig effektiv gezeigt. Insofern stellt sich die Frage, was der Mehrwert der CELAC sein soll. Für Chavez dürfte der Hauptzweck darin bestehen, sich weiterhin auf der außenpolitischen Bühne zu betätigen und sich als großer Staatsmann zu präsentieren. Er möchte, wie sein großes Vorbild Simon Bolivar, als Vorreiter der lateinamerikanischen Integration in die Geschichtsbücher eingehen.

Gemeinsamer Schulterschluss wird durch große Distanzen erschwert

Auch wenn Lateinamerika kulturell gesehen ein vergleichsweise einheitlicher Raum ist, so sprechen doch auch gewichtige Faktoren gegen eine allzu tiefe Integration: die Distanzen sind enorm und vielfach werden die einzelnen Länder durch unwegsame Gebiete wie Dschungel oder die Anden getrennt. Die Verkehrswege, sowohl zu Luft, Land und Wasser sind äußerst dürftig ausgebaut, jedenfalls nicht mit Europa vergleichbar. Auch viele unterschiedliche außenpolitische Interessen der einzelnen Staaten behindern eine Integration. So darf man getrost davon ausgehen, dass es eine „Lateinamerikanische Union“ – als Spiegelbild zur Europäischen Union – nie geben wird.

Als (rotierender) Vorsitz für die CELAC für das kommende Jahr wurde Chile gewählt. Dieses Land hat bekanntlich die intensivsten Beziehungen aller lateinamerikanischen Staaten zu den USA und es ist daher fraglich, wie weit Chile die Anti-USA-Agenda vorantreiben wird. Noch ist es zu früh, die CELAC als eine Kopfgeburt abzutun, aber ohne große Anstrengungen aller beteiligten Länder wird sich an der aktuellen Lage nicht viel ändern. Zwei der Hauptprotagonisten sind zwar zur Eröffnung angereist, waren dann aber am Tag des Präsidententreffens nicht mehr anwesend: die Präsidentinnen von Brasilien, Dilma Rousseff, und Argentinien, Cristina Kirchner. Ohne diese beiden gewichtigen Länder kann der neue Staatenbund nur schwer vorankommen.